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02.07.2020
Luther im Gewitter

Am 2. Juli gab es hinter Erfurt, bei Stotternheim, ein Gewitter. Mittendrin, bedrängt von Blitz und Donner, ein junger Mann. Er gerät in Panik und fleht zum Himmel: Heilige Anna, hilf. Die soll – wohl mehr schlecht als recht – vor Gewitter schützen. Der Mann legt noch eins drauf und verspricht, sollte er überleben, Mönch zu werden. Zwei Wochen danach gibt er ein Abschiedsessen, sagt seinen Kumpels Lebewohl und verzieht sich ins Kloster. Zwölf Jahre später nagelt derselbe Mann, Martin Luther, ein paar Thesen an eine Kirchentür und erschreckt die Welt der Mächtigen.

Er hat in dem Gewitter bei Stotternheim nicht nur den Donner, sondern vor allem den Knall gehört. Daran erinnert dort ein Steinaltar mit der Inschrift: Weise mir Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit!

Und wir, haben wir den Knall gehört? Corona ist hinein gekracht in ausnahmslos jeden Alltag. Wie nach einem Gewitter sehen wir manches klarer: die Zustände in Fleischfabriken, unwürdige Verhältnisse in Flüchtlingsunterkünften, Gesundheitssysteme in armen Ländern … ja, und auch, die Nachbarn, die gefragt und geholfen, die Kollegen, die Rücksicht genommen haben auf die, deren Kinder nicht in die Schule konnten. Und, was machen wir damit?

Heute Abend 19 Uhr wird es wie immer am 2. Juli bei Stotternheim um den Steinaltar einen Gottesdienst geben. Wir können, wenn wir uns kümmern um die, die Hilfe brauchen und wenn wir die Herzenswärme, die wir in den vergangenen Monaten gespürt haben, pflegen – daraus einen Gottesdienst machen, den wir alle mitfeiern können.

Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.


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