09.06.2019
Pfingsten

Pfingsten, was ist das eigentlich? Der Geburtstag der Kirche, sagen viele. Ich kann mit dieser Erklärung nichts anfangen.

Pfingsten ist für mich das Und zwischen Ich und Du. Zwei Menschen von unterschiedlicher Hautfarbe und Gefühlslagen begreifen auf einmal, dass sie einen gemeinsamen Lebensgrund haben. Sie schauen sich an und wissen auf einmal: Aha, das ist auch ein Wesen mit Gefühlen. Auch ein Träumer, einer, der noch Sehnsüchte hat. Sie sehen sich als Fremde an und wissen, wir sind zwei Teile von ein- und demselben.

Mein Gegenüber wahrnehmen und einander annehmen: Das ist für mich Pfingsten. Den anderen als Vollendung meiner Welt empfinden. So fängt Gemeinschaft an, Kirche haben die Leute das früher genannt. Gesellschaft sagen wir heute.

Mit Vorschriften und Gesetzen kann keiner Gemeinschaft erzwingen, es braucht einen guten Geist. Es soll nicht durch Macht und Heer geschehen, sagt es der Prophet Sacharja.

Wenn wir uns so staunend annehmen, dann ist das nicht unser Wollen, sondern ein Geschenk, ein guter Geist, der uns zum Besten vereint. Gesellschaft kann man nicht verordnen, Gemeinschaft nicht befehlen, höchstens darum bitten und sich selbst um einen wachen Geist für den anderen bemühen, gerade in dieser Zeit, in der sich unsere Gesellschaft politisch auseinanderdividiert.

Findet Kristin Jahn, Superintendentin im Kirchenkreis Altenburger Land


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