Ungleich und heilig

Hier treffen sie sich. Kurios ist es irgendwie. Was soll man da sagen. Verlegen stammeln sie rum. Im Stall. Wo es nach Esel riecht. An dem Futtertrog, wo sonst der Ochse kaut. Wo jetzt dieses Kind liegt. Dieses unglaubliche.
Davor stehen sie nun, die Männer: die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland. Die einen haben es von den Engeln erfahren, die anderem aus den Sternen. Die einen sprechen so und die anderen anders. Die einen haben glatt noch ihre Arbeitsklamotten an, die anderen stehen da im feinen Zwirn. Die einen leben auf dem Feld und in einfachen Hütten, die anderen – wer weiß das schon – in einem Schloss aus tausendundeiner Nacht. Nichts haben sie gemeinsam. Echt nichts.
Nur, dass sie hier stehen. Und wahlweise knien. Weil hier gerade etwas passiert. Etwas Außergewöhnliches.
Etwas, was vermutlich ihre Sehnsucht stillt. Sonst hätten sie sich vermutlich nicht auf die weiten Wege gemacht. Etwas, was sie sich kaum erträumen könnten: Gott zeigt sich. Wird berührbar.
Das muss man nicht erklären. Besprechen. Irgendetwas regeln. Hier ist alles klar. Selbst zwischen den ungleichen Männern.

In Gottes Nähe ist halt gut sein. Egal, welche Sprache man spricht und aus welchem Land jemand kommt und wo er seine Klamotten kauft. In der Sehnsucht nach Gott kannst du jedem begegnen. Man wird es später einen heiligen Moment nennen.
Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.