Streit

Streit ist wichtig. Ohne geht es nicht. Finde ich. Und werde immer stutzig, wenn mir zum Beispiel ein Jubelpaar zur goldenen Hochzeit sagt: „Wir haben uns noch nie gestritten. An keinem Tag unserer Ehe.“

Echt nicht? Gehört das nicht dazu? Auch wenn zwei sich lieben, sind sie doch nicht immer einer Meinung! Klar wird gestritten. Streit ist gut. Wenn er auf Augenhöhe bleibt. Das aber ist eine Kunst.

Ich denke an die vielen shitstorms im Internet. Da wird gemobbt, beleidigt, intrigiert. Aufs Übelste. Denn ich muss dem Anderen nicht in die Augen sehen. Vielleicht würde ich dann anfangen zu stottern. Oder stumm bleiben. Aber weil ich den anderen nicht sehe, kann ich loslegen. Das ist kein Streit, das ist feige.

Weil das mit dem Streiten so schwierig ist, widmet sich die diesjährige Friedensdekade unserer Kirchen diesem Thema: Zehn Tage unter dem Motto: Streit! Mit Gebeten, Vorträgen und in Gottesdiensten denken Menschen darüber nach, was dem Frieden dient. Und dazu gehört Streit. Guter Streit. Der vorwärtsbringt. Der ehrlich bleibt. Respektvoll. Ich kann eben auch für etwas streiten. Nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Meine Meinung sagen. Mich stark machen für andere. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon.
Wende Hass und Feindessinn, auf den Weg des Friedens hin. Diese Bitte an Gott gehört zu einem Kirchenlied. Ganz sicher wird sie gesungen in diesen Tagen. Hass und Feindschaft wenden, auch mit Streit. Das dient dem Frieden.

Meint Cornelia Biesecke aus Eisenach.