Verzweiflung und Hoffnung

„Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ (Psalm 25,6)

Flehende Worte sind das, die ein verzweifelter  Mensch in der Bibel ruft, vielleicht sogar schreit. Er ist offenbar an seine Grenzen gekommen. Darum wendet er sich an Gott.

Mich treiben seine Worte um. Auch wenn dieser Mensch schon vor hunderten von Jahren gelebt hat. Ich finde sie heute wieder, ganz aktuell. In Ost-Ghouta oder in Afrin. Was in Syrien geschieht, ist doch echt zum Verzweifeln. Wie viele Versuche hat es schon gegeben, eine Waffenruhe zu erzwingen? Sie alle haben nichts gebracht. Der jüngste Versuch scheint genau so zu scheitern. Krieg nach Uhrzeit. Waffenpause von dann bis dann. Den Menschen in Ost-Ghouta ist damit vermutlich wenig geholfen. Sie leiden weiter, unermesslich. Wie lange soll das noch gehen?

„Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ Gerade, wenn ich das Gefühl habe, dass diese Welt zum Verzweifeln ist, dann möchte ich mit schreien mit diesen Bibelworten. Denn mein Glaube sagt mir: Gott verzweifelt nicht an dieser Welt, obwohl es genug Gründe dafür gäbe.  Ich hoffe auf seine Barmherzigkeit und Güte, auch wenn es mir schwer fällt, so wie jetzt. Und ich lege ihm die Menschen in Syrien und in vielen anderen Leidensorten dieser Welt ans Herz. „Sei da, Gott!“, so bitte ich. „Sei ihnen nahe!“

Cornelia Biesecke aus Eisenach