Wir haben jetzt auch eine Maria

Unter dem großen Stern in der Dorfkirche üben Kinder das Krippenspiel für den Heiligen Abend. Die kleinsten sind Engel und Schafe. Die größeren spielen die Hirten. Und ganz Mutige wagen sich an die Rollen mit Text zum Auswendiglernen: Wirt, Maria und Josef, Verkündigungsengel. Ich bin mit der Pfarrerin verabredet. Von einer Bankreihe aus sehe ich bei den Proben zu. Neben mir warten ein paar Mütter auf ihre Kinder. Am Ende der Probe läuft einer der Hirten ganz aufgeregt zu seiner Mutter. „Mama, wir haben jetzt hier auch eine Maria! Eine ganz echte!“ Die Pfarrerin erklärt mir, wen er meint: Maria heißt eigentlich Samira. Aber schwanger wie Maria ist sie auch. Und wie Maria hat auch sie kein Zuhause. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem zwei Jahre alten Sohn ist sie aus Afghanistan geflohen. Noch ist unklar, ob die drei hier bei uns bleiben dürfen. Vor lauter Angst und Sorge konnte Samira kaum noch etwas essen. Für sie und das ungeborene Kind wurde das lebensbedrohlich. Die Kirchengemeinde hat sich deshalb entschieden, der Familie Schutz und Sicherheit zu geben. Alle leben jetzt in Räumen der Kirche. Menschen aus der Gemeinde sorgen für sie. Bis geklärt ist, ob sie hier bleiben können. Samira und ihrem ungeborenen Kind geht es besser. Hoffentlich wird alles gut gehen. Vielleicht sagt der Hirtenjunge dann am Heiligen Abend zu seiner Mutter: „Mama, wir haben jetzt hier auch ein Christkind! Ein ganz echtes!“ Einen schönen Tag wünscht Kristina Kühnbaum-Schmidt, Regionalbischöfin der evangelischen Kirche in Meiningen