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24.08.2020
Wir ruhen all in Gottes Hand

Die  weißhaarige Dame spielt Klavier. Langsam und bedächtig. Voll konzentriert. Fast schon innig.  Ihr Spiel trifft mich mitten ins Herz. Dabei ist es nicht unbedingt virtuos. Und das Klavier klingt verstimmt. Um sie herum herrscht Chaos.

Glasscherben liegen herum.  Das  große Wohnzimmerfenster ist zerstört, die Gardinenstange heruntergerissen.  Überall Staub..

Doch die alte Dame spielt Klavier. Ein Volkslied aus Schottland „Auld lang syne“.  Sie spielt in einem völlig verwüsteten Wohnzimmer. Mitten in Beirut, einen Tag nach der furchtbaren Explosion am Hafen. Im Internet finde ich das kleine Video von ihr.

Die Frau weint nicht, sie klagt nicht, sie räumt auch nicht auf. Sie spielt, fast träumerisch „Auld lang syne“.

In der deutschen Übersetzung des Liedes heißt es in einer Zeile: Wir ruhen all in Gottes Hand.

Ich sehe die Frau  und denke: Toll, dass es solche Menschen gibt. Die sich nicht unterkriegen lassen. Irgendwann wird auch sie beginnen, den Schutt wegzuräumen. Aber jetzt ist erstmal anderes wichtig. Kraft schöpfen, Hoffnung wachsen lassen. Nur so geht es, Schritt für Schritt. Langsam, behutsam. Um dann zu spüren: Es gibt einen Weg.

Uns allen einen guten Tag. Cornelia Biesecke, Pfarrerin in Eisenach.


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