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Thüringer Prinzessin als Vorkämpferin für Frieden

Wallfahrt zum 1.500. Geburtstag der Heiligen Radegundis

Am kommenden Sonntag (12. August) findet in Thüringen eine Ökumenische Wallfahrt zum 1.500. Geburtstag der Heiligen Radegundis statt. Am Zielort, der Sankt-Lukas-Kirche in Mühlberg, wird um 14 Uhr ein Gottesdienst gefeiert. Die Leitung übernimmt Propst Dr. Christian Stawenow, Regionalbischof für den Propstsprengel Eisenach-Erfurt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die Predigt hält Dr. Ulrich Neymeyr, Bischof des Bistums Erfurt. Im Anschluss ist eine Wanderung zur Mühlburg geplant, dort wird es eine Abschlussandacht geben.

Die Sternwanderung zum Gottesdienst findet in diesem Jahr als Radpilgern mit Stationen zur Stärkung von Körper und Geist statt. Treffpunkte: 10.45 Uhr an der Kirche St. Bonifatius in Gotha, 12 Uhr am tegut in Wandersleben, 12.30 Uhr an der Gaststätte Freudenthal.

Radegundis (* um 520; † 13. August 587 in Poitiers) war die Ehefrau des fränkischen Königs Chlothar I. und Tochter König Berthachars von Thüringen. Die Wallfahrt rund um den 13. August als Gedenktag für die Heilige hat eine lange Tradition: Seit den 1930er Jahren für die Katholiken, seit den 1970er Jahren als ökumenische Veranstaltung. Der frühere Mühlberger Pfarrer Rainer Schmidt hat die evangelische Beteiligung initiiert und engagiert sich seitdem für das Treffen. „Radegundis war die erste uns bekannte Thüringer Christin und kann als Botin des Friedens noch heute ein Vorbild sein“, betont er. 700 Jahre vor der Heiligen Elisabeth habe sie als vergleichbare Persönlichkeit gewirkt und sich nie abbringen lassen von ihrem Einsatz für ein gerechtes, gewaltfreies Miteinander.
So habe sie versucht, den barbarischen Franken Gesittung und Bildung zu vermitteln und Werke der Barmherzigkeit vorzuleben. „Gewalt war dort auf der Tagesordnung, selbst vor Kindermord schreckte ihr Mann nicht zurück“, erklärt Rainer Schmidt. Zudem habe sie die Vision des zukünftigen Europas mit jüdisch-christlichen, hellenistischen und germanischen Wurzeln gehabt. „Auch hier kann sie Vorbild sein in einer Zeit, in der viele wieder dem Nationalismus verfallen“, so Schmidt. Er bedauert sehr, dass das Wirken der Heiligen nicht bekannter gemacht wird.

Für ihn war die Wallfahrt bereits zu DDR-Zeiten ein wichtiges Signal. Da der 13. August durch den Mauerbau ein besonders brisantes Datum gewesen sei, habe der Staat sehr genau alle Aktivitäten überwacht. Als Höhepunkt wurde 1987 angesichts der 1400. Wiederkehr des Todestages der Heiligen ein Gedenkstein auf der Mühlburg mit der Aufschrift „Frieden durch Versöhnung“ aufgestellt. „Für uns war das ein wichtiges Signal zum Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung – dass nicht Konfrontation sondern nur ein Miteinander Frieden bringen kann.“


Hintergrund:
Radegundis war früh eine Vollwaise und verlebte ihre Kinderzeit am Hof des Thüringer Königs Herminafried, ihres Onkels. 531 wurde sie nach einer verlorenen Schlacht an der Unstrut nach Frankreich verschleppt. Um 540 erzwang König Chlothar gegen ihren Willen die Heirat. Als Königin lebte sie am Hof in Saisons sehr asketisch – so hat sie laut Überlieferung bei Tisch die Fleischschüsseln vorübergehen lassen und stattdessen nur Bohnen oder Linsen gegessen. Zudem habe sie den König um Begnadigung für zum Tode Verurteilte gebeten und sich der Krankenpflege gewidmet sowie in der männerdominierten Welt immer wieder Zwängen getrotzt.

Nachdem Chlothar vermutlich Radegundis’ Bruder als Vergeltung für einen Aufstand der Sachsen und Thüringer ermorden ließ, hat sich Radegundis von ihm getrennt. Sie floh und verschenkte ihren Besitz an die Kirche und Arme. 558 gründete sie das Kloster Saint-Marie-hors-les-Murs, die spätere Abtei vom Heiligen Kreuz in Poitiers, als erstes Frauenkloster Europas. Chlothar hat sich später bei ihr entschuldigt und das Kloster unterstützt, heißt es. Radegundis soll sich der Überlieferung zufolge im Kloster oft die niedrigsten Dienste ausgesucht haben, wie das Baden von Armen und Kranken und sogar von Aussätzigen. Am 13. August 587 starb sie und wurde auf ihren Wunsch in der Klosterkirche bestattet. Nach ihrer Heiligsprechung im 9. Jahrhundert wurden ihr Kirchen in ganz Europa geweiht.

Die Radegundis-Kapelle bei der Mühlburg war eine von drei Kirchen beziehunsgweise Kapellen mit ihrem Patrozinium in Deutschland. Heute existiert nur noch der Grundriss. Dafür wurde in die Lukas-Kirche in Mühlberg eine kleine sogenannte Radegundis-Kapelle integriert.

 

RÜCKFRAGEN

Kirchengemeinde, 036256-80726; Rainer Schmidt, 036256-32880