PM 003 - 04.01.2019
Werner-Sylten-Preis der EKM für christlich-jüdischen Dialog

Preisträger sind Waltraut Zachhuber, Klaus Pacholik und das Schulzentrum Mühlhausen

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) vergibt zum zweiten Mal den Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog. Die Preisträger des Werner-Sylten-Preises 2018 sind: Superintendentin i.R. Waltraut Zachhuber, Pfarrer i.R. Klaus Pacholik sowie das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen.

Der Preis unter Schirmherrinnenschaft von Landesbischöfin Ilse Junkermann wird im Rahmen des Tora-Lerntages, einem Studientag zum christlich-jüdischen Dialog, am 9. Januar in Halle verliehen. Die Preisverleihung findet in den Räumen der Evangelischen-reformierten Domgemeinde in Halle (Kleine Klausstraße 6) um 12 Uhr statt.

Superintendentin i.R. Waltraut Zachhuber wird für ihr langjähriges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog geehrt. Als Dompredigerin setzte sie sich intensiv mit dem antijüdischen Bildprogramm am Magdeburger Dom auseinander und sensibilisierte Kirchengemeinde, Kirchenführer und Schulklassen. Von 2000 bis 2003 wirkte sie in einer Arbeitsgruppe der damaligen Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen mit, die die Verkündigung der Kirche kritisch auf antijudaistische Bilder, Vorstellungen und Vorurteile beleuchtete. Die Arbeitsergebnisse wurden veröffentlich in der Arbeitshilfe „Von Gott gerufen – Zum Verhältnis von Christen und Juden.“ Im Ruhestand lebt Waltraut Zachhuber mit ihrem Mann in Magdeburg. Sie pflegt Kontakte zu ehemaligen jüdischen Bürgern von Magdeburg und deren Angehörigen, engagiert sich für die Verlegung von Stolpersteinen und ist Vorstandsvorsitzende des 1999 gegründeten  Fördervereins "Neue Synagoge Magdeburg" e.V.  

Pfarrer i.R. Klaus Pacholik engagierte sich als Pfarrer in Klötze für die Erforschung jüdischen Lebens in der Altmark und initiierte dazu einen Arbeitskreis. Besonders verdient machte er sich um die Würdigung des Lebens des einzig berühmten Bürgers der Stadt Klötze, dem Juden Professor Dr. Dr. h.c. Adolph Frank. Außerdem initiierte Klaus Pacholik Gedenkveranstaltungen zum 9. November auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Klötze unter Einbeziehung von Rabbinern und der politischen Gemeinde sowie Begegnungen und Vorträge.

Das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen setzt sich für die Bewahrung jüdischen Lebens in der Stadt und gegen Antisemitismus und Rassismus im Schulalltag ein. Seit 2015 führen Schülerinnen und Schüler regelmäßig Führungen in der Synagoge Mühlhausen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch. Im Fokus stehen die Geschichte der Mühlhäuser Synagoge sowie der jüdischen Gemeinde im Lauf der Jahrhunderte. Zudem werden religiöse Themen wie jüdische Feste, die Tora-Lesung und die Arbeit eines Rabbiners vorgestellt. Als „Schule ohne Rassismus“ führte die Schule 2018 ein Projekt zum Thema „Angst – schmeckt nicht!“ durch. Hier kamen die Schülerinnen und Schüler mit einem Holocaust-Überlebenden ins Gespräch und setzten sich mit Fremdenangst und Fremdenhass auseinander.

 

Hintergrund
Werner Sylten war ein evangelischer Theologe, der 1936 wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Pfarrdienst entlassen wurde. Er half mit, das Leben von mehr als tausend „nichtarischen“ Christen zu retten. Er wurde von den Nazis ermordet. 1979 wurde ihm von Yad Vashem der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

 

Der iad hat zum Thema einen Radio-Beitrag gemacht: https://audiodienst.de/mediathek/radio-saw/2019/01/09/ekm-vergibt-werner-sylten-preis-fuer-christlich-juedischen-dialog/10035

RÜCKFRAGEN

Charlotte Weber (Referat Ökumene), 0361-51800331