PM 088 | 18.12.2018
Eine halbe Million Besucher an Heiligabend in evangelischen Kirchen

Andachten auf der Pferdekoppel, im Wald, auf dem Bahnhof

Die Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erwarten an Heiligabend (24. Dezember) rund eine halbe Million Besucher zu mehr als 4.000 Christvespern und Krippenspielen. Traditionell werden in allen Gottesdiensten Spenden für die Hilfsaktion „Brot für die Welt“ (www.brot-fuer-die-welt.de) gesammelt. Außerdem finden an den Weihnachtstagen besondere Gottesdienste, Veranstaltungen und Konzerte statt.

Am 4. Advent (10 Uhr) sendet MDR Kultur live einen Gottesdienst mit Landesbischöfin Ilse Junkermann aus der Kirche in Biederitz bei Magdeburg. Mittelpunkt des Gottesdienstes ist das Magnifikat, der Lobgesang der Maria. Sie beschreibt, wie mit Jesus die Armen gesehen werden und zu ihrem Recht kommen und „die Reichen leer ausgehen“, wie Mächtige vom Thron gestürzt und die Niedrigen aus dem Staub erhoben werden. „Von wegen 'fröhliche Weihnachten', hier geht es um radikale Weihnachten. Um unseren Wohlstand und die Frage, ob er uns benebelt, oder ob wir wach sind, die Not anderer zu sehen“, sagt die EKM-Rundfunkbeauftragte Ulrike Greim dazu. Die Gemeinde Biederitz wurde für den Rundfunkgottesdienst ausgesucht, weil sie aktiv mit Flüchtlingen arbeitet. Sie hat sich sozial engagiert, als in ihrer Nachbarschaft eine Notunterkunft eröffnet wurde, und hunderte Geflüchtete zumindest mittelfristig eine Bleibe gefunden haben. Einige von ihnen ließen sich taufen. Patinnen und Paten aus der Gemeinde begleiten sie seitdem. Zwei Menschen aus der Patenkirche werden im Gottesdienst zu Wort kommen, darunter ein junger iranischer Christ, der es kaum glauben konnte, hier eine Kirche zu finden und beten zu können, ohne Angst vor der Polizei haben zu müssen. Eine Biederitzerin erzählt, wie sie in den Geflüchteten ihre eigene Mutter vor sich sah, die im 2. Weltkrieg fliehen musste und darauf angewiesen war, Hilfe zu bekommen. Der Gottesdienst ist auch live im Internet zu verfolgen: www.mdr.de/kultur/radio/index.html.

Landesbischöfin Ilse Junkermann wird am Heiligabend zur Christmette (23 Uhr) sowie im Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag (10 Uhr) im Magdeburger Dom predigen.

Veranstaltungen zu Weihnachten in Sachsen-Anhalt/Sachsen/Brandenburg (Auswahl):

In der Marktkirche 'Unser Lieben Frauen' in Halle/Saale gibt es am Nachmittag (14 Uhr) eine Christvesper mit Krippenspiel ebenso in der Marienkirche (15 Uhr) in Salzwedel. Zu einer Christvesper (16 Uhr) mit Schattenspiel lädt die Gemeinde in Alleringsleben im Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt ein.

Die Christvesper in der Stadtkirche St. Marien in Torgau gestaltet am Heiligabend (17 Uhr) die Johann-Walter-Kantorei.
Zu weihnachtlicher Orgelmusik im Kerzenschein (22 Uhr) lädt die Gemeinde der Stadtkirche St. Marien in Herzberg im Kirchenkreis Bad Liebenwerda ein.
In Drübeck im Harz wird ein Gottesdienst (23 Uhr) zur Christnacht in der Klosterkirche St. Vitus gefeiert. Eine musikalische Andacht zum Heiligabend (22.30 Uhr) mit Cappella Elbigensis gibt es im Kloster Jerichow. Jugendliche gestalten in Lutherstadt Eisleben in der St.-Petri-Pauli-Kirche eine Feier zur Christnacht (23 Uhr) für alle Generationen. Auch die Domgemeinde in Naumburg lädt zu einer Christnachtfeier (23.30 Uhr) ein. In Merseburg werden am Heiligabend (8.45 bis 12.15 Uhr) im Carl-von-Basedow-Klinikum auf allen Stationen Weihnachtslieder gesungen. In Halberstadt gibt es eine Weihnachtsandacht (18 Uhr) auf dem Bahnhof. In Lutherstadt Wittenberg wird in der Christnacht (24. Dezember, 22 Uhr) eine Weihnachtsandacht am Hirtenfeuer auf der Pferdekoppel (Johannes-Runge-Weg) gefeiert.

Veranstaltungen zu Weihnachten in Thüringen (Auswahl):

Zu einem Krippenspiel mit lebenden Tieren wird am 24. Dezember in Rohr (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) eingeladen. Nachdem einige Jahre Erwachsene gespielt haben, führen wieder Konfirmanden und Kinder die Weihnachtsgeschichte nach einem Text von Klaus-Peter Hertzsch auf (18 Uhr, Michaeliskirche). Die Hirten ziehen traditionell mit Schafen und Ziegen in die Kirche ein. Die Christvesper gilt als Geheimtipp. „Die Leute kommen von überall“, sagt Pfarrer Güntzel Schmidt, „schon allein die Atmosphäre in der ältesten Kirche Thüringens sorgt für tolle Stimmung“. Tiere spielen auch im Krippenspiel im Kirchgarten der Kreuzkirche in Weimar mit (16 Uhr), außerdem liegt ein lebendiges „Jesuskind“ in der Krippe.

Das Erwachsenenkrippenspiel „Sherlock Holmes und Dr. Watson“ frei nach Arthur Conan Doyle wird am 23. Dezember in der Erfurter Thomaskirche aufgeführt (17 Uhr). Die Kostüme besorgt Pfarrer Christoph Knoll vom Meininger Theater, ein Klarinettenquartett und als Organist Generalmusikdirektor i.R. Wolfgang Hocke begleiten. Ein Krippenspiel als Pop-Musical zeigen etwa 40 Kinder und Jugendliche am 24. Dezember in der Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda. Ein besonderes Krippenspiel über den Weihnachtsfrieden 1914 wurde in Gera zum Jubiläum „100 Jahre Kriegsende“ geschrieben (Trinitatiskirche, 16 Uhr). Von weither kommen Gäste zur Musikalischen Christvesper in Eisenach mit Kurrende, Bachchor und Ambrosius-Kammerorchester (17 Uhr).

Immer mehr Kirchengemeinden bieten am 24. Dezember eine Christnacht oder Konzerte zu später Stunde an, zum Beispiel in Meiningen in der Stadtkirche eine musikalische Christnacht mit festlicher Musik aus Barock und Romantik bei Kerzenlicht mit dem Meininger Residenzorchester und Kantor Sebastian Fuhrmann (22 Uhr), eine Liturgische Christnacht in Gera mit Männerchorgesängen und Orgelmusik (23 Uhr, Johanniskirche), in Erfurt Weihnachtliche Orgelmusik mit Matthias Dreißig (22 Uhr, Predigerkirche) und eine Musikalische Jazz-Christmette (23.15 Uhr, Thomaskirche) und in Gerstungen (23 Uhr, Katharinenkirche) eine Christnacht mit Chören. Um Mitternacht bläst der Evangelische Posaunendienst vom Turm der Erfurter Thomas-Kirche.

Außerdem laden Kirchengemeinden Menschen ein, die den Heiligabend einsam verbringen müssten – so heißt ein Angebot mit festlichem Essen in der Kapelle des Diakonissenmutterhauses Eisenach „Heiligabend nicht allein“. Nächtliche Feiern gibt es unter anderem in Erfurt und Meiningen. Vom 23. bis 27. Dezember gilt das Angebot „Weihnachten im Kloster“ im Kloster Volkenroda.

Einige Kirchgänger müssen am 25. Dezember früh aufstehen, beispielsweise beginnt um 6 Uhr in der Bergkirche Schleiz eine Christnacht, und nach dem 7-Uhr-Gottesdienst in Langenwetzendorf wird zum Frühstück eingeladen. Die Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen werden meist besonders festlich mit Musik, Chorgesang und Abendmahl gefeiert, zum Beispiel am 25. Dezember als Kantatengottesdienst in der Stadtkirche Weimar (10 Uhr), als Gottesdienst mit dem Eisenbahner-Blasorchester in Gerstungen (10 Uhr) sowie am 26. Dezember in Ifta mit dem Gesangverein Frohsinn und dem Michael-Praetorius-Chor und in der Jüdeweiner Kirche Pößneck (10 Uhr) mit dem Ensemble „Neue Töne – Pop(ular)“. Einige Gottesdienste finden auch an besonderen Orten statt, zum Beispiel am 25. Dezember in der Kapelle der Wartburg in Eisenach (10 Uhr) und in der Kultur- & Bildungswerkstatt Nöbdenitz (14 Uhr) sowie am 26. Dezember in der Krypta des Siloah-Hofes Neufrankenroda (20 Uhr). Zudem wird auch ökumenisch gefeiert, unter anderem am 26. Dezember (10.30 Uhr, Rundkirche) in Untersuhl mit dem Posaunenchor Gerstungen/Marksuhl.

Außerdem finden Konzerte statt – so am 1. Weihnachtsfeiertag das Quempas-Singen in der St. Laurentius Kirche in Kirchheim mit vielen Lichtern und weihnachtlicher Stimmung und in der Bachkirche Arnstadt die Weihnachtlichen Klänge aus der Dresdner Kreuzkirche mit dem Männerquartett „echo“ (ehemalige Kruzianer) und Jörg Reddin (Orgel). Am 2. Weihnachtsfeiertag gibt es ein Konzert des Collegium Musicum in Greiz, ein Konzert „A capella PLUS Orgel“ mit Christmas Carols mit dem Vokalquartett „Consonanz à 4“ (Bremen) und Hans-Jürgen Freitag an der Orgel (16.30 Uhr), in der Johanneskirche Saalfeld als Weihnachtliche Chormusik mit dem Mädelchor, den Thüringer Sängerknaben und dem Organisten Matthias Eisenberg (17 Uhr) sowie in der Jakobskirche Weimar als Weihnachtskantaten und Quartette von Georg Philipp Telemann (17 Uhr). Am 27. Dezember findet in Eisenberg (19 Uhr, Stadtkirche St. Peter) ein Konzert mit der Kantorei Eisenberg, dem Reussischen Kammerorchester und Solisten unter Leitung Kantor Philipp Popp statt.

Auch Theater-Aufführungen gibt es, zum Beispiel am 26. und 27. Dezember, 17 Uhr, in Erfurt in der Michaeliskirche unter dem Motto „Die gesamte Weihnachtsgeschichte“.

In Tröbsdorf wird am 26. Dezember zur Wanderung zur Hirtenweihnacht im Wald eingeladen. Dort werden an einem geschmückten Baum Weihnachtslieder gesungen, die Weihnachtsge-schichte ist zu hören, Posaunenbläser spielen, Punsch macht die Runde, Zeit für Besinnung und Gespräche ist eingeplant.

Hintergrund Weihnachten:
Das Weihnachtsfest ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Es wird heute in der gesamten christlichen Welt gefeiert – beginnend am 24. Dezember mit dem Heiligen Abend. Ursprünglich feierte die christliche Gemeinde kein Weihnachtsfest, sondern die Taufe als Erscheinung des Herrn am 6. Januar beim Epiphaniasfest (Epiphanie = Erscheinung des Herrn). Das Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und war den Urchristen unbekannt, die sich für die Todestage, nicht aber für die Geburtstage ihrer Märtyrer interessierten. Der 6. Januar galt zugleich als Jahresanfang. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. nahm das Fest der Geburt Jesu in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember an Bedeutung zu, der früheste Beleg findet sich für das Jahr 354 n. Chr. in Rom.
Der Festlegung des Weihnachtsfestes kam entgegen, dass der 25. Dezember in der Antike als Geburtstag des „Sol invictus“, des „unbesiegten Sonnengottes“, galt. Zudem fiel das Fest der Wintersonnenwende, das Julfest der Germanen, ebenfalls auf diesen Tag. Die tatsächlichen Umstände am Geburtstag Jesu Christi im Jahre Null waren sicherlich wenig erfreulich. In Einsamkeit und persönlicher Not, in einer kargen Unterkunft wird in einer politisch wirren Zeit unter unscheinbaren Umständen Gottes Sohn geboren. Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas gibt hierüber ein anschauliches Bild.
Vom Weihnachtsfest geht eine starke Faszination aus. Sie hat mit dem kleinen Kind in der Krippe zu tun und der Sehnsucht nach einem Neuanfang, die viele Menschen erfüllt. Jede Kerze, die angezündet wird, Licht spendet und einen Raum hell macht, wird zu einem Symbol dieser Sehnsucht. Weihnachten bedeutet: Das göttliche Licht leuchtet in der Finsternis der Welt auf. Neues entsteht und bahnt sich seinen Weg. Die Verheißung von Gottes Nähe wird durch die Geburt Jesu offenbar.

Hintergrund Krippenspiele:
Die Anfänge kirchlicher Krippenspiele sind lateinische Wechselgesänge zwischen Josef und den Hirten. Sie gehen zurück ins 9. Jahrhundert. Aus dieser einfachen Inszenierung entwickel¬ten sich Hirtenspiele und parallel Dreikönigsspiele. Der Überlieferung nach geht das erste Krippenspiel auf das Jahr 1223 zurück. Damals stellte angeblich Franz von Assisi im Wald von Greccio mit lebenden Tieren und Menschen das Weihnachtsgeschehen dar. Seitdem förderten die Franziskaner diese Darstellungsform, die sich auch nach der Reformation hielt.

RÜCKFRAGEN

Friedemann Kahl, 0151-59128575, und Susanne Sobko, 0162-2048755


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