Verleihung Lothar-Kreyssig-Friedenspreis 2025
Ukrainischer Frauenchor „My s Ukrainy“ und „Bürger:innen-Bühne“ des Theaters Magdeburg
Giselher Quast (stellv. Vorsitzender des Kuratoriums), 01520/7507211
Der 14. Lothar-Kreyssig-Friedenspreis geht in diesem Jahr an zwei regionale Projekte, die vorbildlich für Verstehen und Versöhnung sind: die ukrainischen Frauen des Chores „My s Ukrainy“ (Ми з Украіни) und das Team der „Bürger:innen-Bühne“ des Theaters Magdeburg. Das Kuratorium der Stiftung setzt damit ein deutliches Zeichen für Solidarität mit dem überfallenen Land und seinem Leid sowie für die gelungene Integration der geflüchteten Frauen aus dem Kriegsgebiet der Ukraine.
In der Begründung heißt es: „Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 bietet das Theater Magdeburg ukrainischen Kunstschaffenden und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern eine Bühne. Im Rahmen der Reihe „Monitor Ukraine“ veranstaltet das Schauspiel auch im vierten Kriegsjahr Gastspiele, Konzerte, Lesungen und lädt zu Reflexion und Analyse, gemeinsamer Trauer und Solidarität mit den Betroffenen dieses Kriegs ein. Über die gemeinsame Arbeit bauen das Team des Theaters und die Frauen des Chores eine aktive und vielbeachtete Brücke sowohl untereinander als auch in die Stadtgesellschaft hinein“, so Stephan Hoenen, Superintendent des Kirchenkreises Magdeburg und Vorsitzender des Kuratoriums Lothar-Kreyssig-Friedenspreis. „Es ist bemerkenswert, dass eine städtische Einrichtung ihre Strukturen und Türen in ganz konkreten Möglichkeiten für Geflüchtete öffnet. Das Exil der Frauen des Chores wurde gemeinsam als Herausforderung und nicht nur als Schicksal verstanden. Theaterarbeit wurde zur aktiven Friedensarbeit. Das Kuratorium würdigt im Geiste seines Namensgebers damit einen wichtigen Beitrag in der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung, um Integration, Frieden und Versöhnung unter den Völkern im Alltäglichen einzuüben und als Sehnsucht wachzuhalten.“
Die öffentliche Preisverleihung findet am 8. November 2025 (11.00 Uhr) in der Magdeburger Johanniskirche statt. Die Laudatio wird Staatsminister Rainer Robra halten, Chef der Staatskanzlei und zugleich Europa- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt.
Der ukrainische Frauenchor „My s Ukrainy“ (Wir sind aus der Ukraine) wurde im Jahr 2022 in Magdeburg gegründet – als ein Ort der Zuflucht, des Zusammenhalts und der seelischen Heilung. Die meisten Sängerinnen flohen nach dem 24. Februar 2022 vor dem Krieg in ihrer Heimat – und fanden in der Musik eine gemeinsame Sprache, um Schmerz, Hoffnung und Stärke auszudrücken. Was als kleine psychologische Singrunde begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem beeindruckenden kulturellen Projekt: über 200 Auftritte in nur drei Jahren, darunter bewegende Konzerte, internationale Wettbewerbe und ausverkaufte Bühnenproduktionen.
Im Jahr 2024 krönte der Chor seine künstlerische Entwicklung mit der Teilnahme an einem internationalen Chorwettbewerb – und wurde in zwei Wettbewerbskategorien mit Silber ausgezeichnet. Mit einem Repertoire, das ukrainische Volkslieder ebenso umfasst wie gefühlvolle französische und deutschsprachige Stücke, schafft „My s Ukrainy“ emotionale Abende voller Wärme, Sehnsucht und kultureller Vielfalt.
Für theaterbegeisterte Erwachsene verschiedener Generationen, die selbst spielen wollen, hält die „Bürger:innen-Bühne“ des Theaters Magdeburg eine Bühne zur Erarbeitung von eigenen Theaterproduktionen bereit. Die Regisseurin Dorothea Lübbe hat das Projekt „Sehnsucht – Сила Жінки“ als Bürger:innenproduktion mit dem ukrainischen Frauenchor „My s Ukrainy“ erarbeitet. Basierend auf der Frage: „Wo stehe ich nach fast zwei Jahren im Exil in Magdeburg?“ - begibt sich die ukrainische Gruppe auf eine performativ-musikalische Recherche zu Fragen aus ihrem Alltag zwischen Arbeit, Deutschkurs, Familienleben in zwei Ländern und Krieg in der Heimat. Das Projekt ist angelegt als eine musikalische Stückentwicklung mit Liedgut aus der Ukraine, sowie eigenen Texten in deutscher und ukrainischer Sprache.
Hintergrund
1998 Jahren wurde der Friedenspreis vom Evangelischen Kirchenkreis Magdeburg anlässlich des 100. Geburtstages des Juristen Dr. Lothar Kreyssig in Form einer Stiftung ins Leben gerufen. Zweck der Stiftung ist die Würdigung und Förderung von Friedens- und Versöhnungsarbeit. Der mit 3.000 Euro dotierte Lothar-Kreyssig-Friedenspreis wird seit 1999 alle zwei Jahre an Personen oder Gruppen verliehen, die sich für die Versöhnung verdient gemacht haben, besonders im Blick auf jüdische Menschen und auf ost- und südosteuropäische Nachbarn. Ebenso will der Preis Menschen würdigen, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen im Geist von Lothar Kreyssig stellen unter den Prämissen von Gerechtigkeit und Menschenwürde.
Frühere Träger des Kreyssig-Friedenspreises sind beispielsweise der ehemalige Ministerpräsident Polens, Tadeusz Mazowiecki (1999), Staatsministerin Hildegard Hammbrücher (2001), der Schöpfer der Stolpersteine Gunter Demnig (2013), die Amadeu Antonio Stiftung (2015) oder die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja (2021).
Giselher Quast (stellv. Vorsitzender des Kuratoriums), 01520/7507211