21.01.2019
Es ist geschafft

Ein Kommentar zur Online-Debattenkultur im Zuge der Tempolimit-Petition.

Seit Aschermittwoch haben wir als EKM viel über eine Petition geredet, die wir beim Deutschen Bundestag eingereicht haben. Es geht dabei um ein generelles Tempolimit von 130 Km/h auf deutschen Autobahnen. Mittlerweile sind die benötigten 50.000 Unterschriften zusammen gekommen und wir haben viel Unterstützung erfahren. Zahlreiche Menschen - auch ohne kirchlichen Hintergrund - teilen unser Anliegen und viele Menschen fühlen sich dadurch öffentlich vertreten, die schon lange still unter den "Rasern" leiden.
Andere kritisieren die Petition und lassen ihre Meinung meist sehr lautstark und emotional an uns aus. In vielen Mails, Anrufen und Facebook-Kommentaren durften wir erleben, wie unzivilisiert und unsachlich viele Menschen im inneren denken. Gerade die Scheinanonymität des Internets kappt bei vielen die Hürden menschlichen Miteinanders. Das ist schade und macht ehrlichen Austausch sehr anstrengend.

Wir haben uns bewusst auf diesen Diskurs eingelassen und nur dann Kommentare gelöscht oder Nutzer gesperrt, wenn trotz klarer Netiquette kein vernünftiges Gespräch möglich war. Ansonsten haben wir versucht, auf jeden Kommentar inhaltlich einzugehen und mit den Menschen im Gespräch zu bleiben. Das bindet viele Ressourcen, aber als Kirche sehen wir es als unsere Aufgabe an, für Menschen da zu sein, zuzuhören und mit ihnen weiterzudenken. Und auch wenn oft Grenzen überschritten wurden, wollten wir Liebe leben und uns nicht besserwisserisch von anderen Meinungen abschotten.
Besonders freut es uns, wenn aus der Community andere Mitglieder untereinander gute Gespräche führen und sachliche Debatten uns alle weiterbringen. Deshalb ermutigen wir die schüchternen, zurückhaltenden und stillen Menschen ausdrücklich, sich offen einzubringen und nicht den lauten Schreihälsen das Feld zu überlassen.

"Freie Fahrt für freie Bürger" liest man in einigen Kommentaren und andere fragen sich, warum sich Kirche immer wieder in Politik einmischt, ob es nicht wichtigere Themen gäbe.
Natürlich gibt es weiterhin auch noch andere Themen, um die wir uns als EKM kümmern. Die Gottesdienste fallen ja nicht aus, die Diakonie schließt ihre Türen nicht und zahlreiche Angebote für Seelsorge, Beratung, Schulung, geistliche und menschliche Unterstützung laufen weiter. Aber wir machen zusätzlich auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das man tatsächlich vielschichtig diskutieren kann. Gerade jetzt, wo sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit dem Thema befassen muss, wünschen wir uns einen sachlichen öffentlichen Diskurs.

Die Kirche erlässt dabei keine Gesetze, sondern schaut aus ihrer Sicht auf unsere Gesellschaft und setzt Akzente - gibt Ideen. Das kann beim Kirchenkaffee passieren, beim Nachbarschaftstreffen, im Freundekreis oder online. Wir wollen als EKM in sozialen Netzwerken Debatten anstoßen und freuen uns auch außerhalb großer Kampagnen, wenn wir mit euch und Ihnen über Glaubensthemen und kirchliches Leben ins Gespräch kommen. Unser Wunsch wäre, dass Menschen wieder lernen, zivilisiert miteinander zu reden und unterschiedliche Meinungen wertzuschätzen statt sie abzukanzeln. Wenn das gelingt, haben wir wirklich etwas "geschafft"!

Karsten Kopjar, EKM SocialMedia

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