Bischöfin Junkermann wirbt für Zuwanderungsgesetz

Landesbischöfin Ilse Junkermann

epd | 12.10.2017

Weimar (epd). Für ein Einwanderungsgesetz hat sich die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland EKM), Ilse Junkermann, ausgesprochen.

Darüber müsse in Deutschland dringend diskutiert werden, sagte sie der "Thüringischen Landeszeitung" (Mittwoch). "Viele fliehen, weil sie zu Hause keine wirtschaftliche Grundlage haben, und wir haben jetzt schon einen riesigen Fachkräftemangel", begründete die Theologin.

Über ein Einwanderungsgesetz könnte geregelt werden, "dass jemand nicht den Weg über das Asylverfahren gehen muss, um eine Ausbildung beziehungsweise Arbeit zu bekommen", fügte sie hinzu. Der Vorwurf, armen Ländern würde so die hoffnungsvolle Jugend genommen, könne zutreffen. Andererseits sei aber auch denkbar, dass Menschen, die in Deutschland oder Europa ausgebildet wurden und hier Berufserfahrung sammeln, "mit diesem Rüstzeug und mit einer gewissen Förderung" wieder in ihren Heimatländern tätig würden.

Wer Vorbehalte gegen Zuwanderer pflege verkenne, "dass wir Zuwanderung brauchen." So stehe die Frage: Wer wird uns einmal pflegen? Der Notstand sei jetzt schon da und in anderen Bereichen bereits absehbar, so die Bischöfin. "Diese Hausaufgabe, die Zuwanderung zu regeln, hat aus meiner Sicht aber bisher keine Partei gemacht. Warum auch immer." Gebe es ein Einwanderungsgesetz würde das Thema Asyl fokussiert auf diejenigen, die wirklich politisch verfolgt sind, sagte Junkermann der Zeitung.

Die Bischöfin verglich die heutige Situation mit der zu Beginn der Reformation. "Wir leben heute in einem ähnlichen Transformationsprozess wie vor 500 Jahren - und zwar mit Blick auf unser Wirtschaften." Es gebe eine Dominanz der Ökonomie, die zu wenig Rücksicht auf andere Aspekte wie soziale und ökologische nehme. Ihr sei ein nachhaltiger Lebensstil wichtig. "Ich setze auf Genügsamkeit", erklärte Junkermann.

Sie erinnerte an die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes unter dem Motto: "Es ist nicht alles käuflich". Das bedeute, dass es Werte im Leben gebe, die kann man nicht kaufen könne. "Das gilt für die Schöpfung. Und uns ist es wichtig, diese Werte zu stärken in Zeiten, in denen der Handel mit allem und jedem scheinbar die Welt bestimmt", sagte die Bischöfin abschließend.

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Bildnachweis: Landesbischöfin Ilse Junkermann


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