Mitteldeutsche Kirche lehnt Anker-Zentren ab

Erfurt (epd). Gegen die vom Bundesinnenministerium geplanten sogenannten Anker-Zentren regt sich auch Widerstand in der evangelischen Kirche.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) lehnt die Einrichtungen zur Unterbringung von Flüchtlingen ab. Das Ziel, in Asylverfahren schneller entscheiden zu können, lasse sich so nicht erreichen, sagte die Migrationsbeauftragte der Landeskirche, Cordula Haase, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt. Das Leben von bis zu 1.500 Männern, Frauen und Kindern auf engstem Raum ohne Privatsphäre - möglicherweise über eine längere Zeit, wenn die Verfahren komplexer sind und die Prüfung länger dauert - bringe vielmehr neue Probleme mit sich, warnte sie.

Haase begrüßte die Haltung Thüringens. Dort hatten sich Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) und Innenminister Georg Maier (SPD) deutlich gegen die Anker-Zentren positioniert. "Menschen zu isolieren, ihnen den Zugang zu rechtlicher Beratung und Unterstützung zu erschweren, ihnen sinnvolle Beschäftigung vorzuenthalten, ihnen unter Umständen lediglich Sachleistungen statt Bargeld zu geben und den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung unmöglich zu machen, ist unter humanitären Gesichtspunkten fragwürdig", unterstrich die Kirchenvertreterin.

Dagegen hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in dieser Woche noch einmal für die Zentren geworben. Über deren mögliche Standorte herrscht indes Unklarheit. Während die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU) ihre Unterstützung für Seehofers Pläne deutlich machten, stoßen sie beim Koalitionspartner SPD - und in Magdeburg auch bei den Grünen - auf Kritik. Distanziert äußerte sich auch der Thüringer Regierungschef. Allerdings sei noch gar nicht klar, was der Bund konkret vorhabe und wie diese Pläne im Detail umgesetzt werden sollen, sagte Bodo Ramelow (Linke) dem epd. Am "Stochern im Nebel" beteilige er sich nicht.

Zu den noch offenen Fragen zählt aus Sicht der Migrationsbeauftragten der EKM auch, wie die Beschulung von Kindern in diesen Zentren gewährleistet werden kann. Ungeklärt sei zudem die medizinische und psychosoziale Versorgung und wie dem besonderen Schutzbedürfnis von allein geflüchteten Frauen, Kindern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen entsprochen werden könne. "Menschen auf der Flucht brauchen Perspektiven für ihr Leben - unabhängig davon wie lange sie in Deutschland bleiben", sagte Haase.

In den von der Bundesregierung geplanten Anker-Zentren soll künftig das komplette Asylverfahren abgewickelt werden. «Anker» ist die Kurzform für Aufnahme-, Entscheidungs- und Rückführungseinrichtung. Nach Plänen des Bundesinnenministeriums sollen im Spätsommer bis Herbst bis zu sechs Pilot-Zentren eröffnet werden. Geplant ist die Unterbringung von bis zu 1.500 Personen je Zentrum.