St. Petrus Müllerdorf

Adressdaten


  • 06198 Salzatal OT Müllerdorf
    Kirchberg

Daten & Fakten


  • Baujahr: 1898

Profil


Rad- oder Wanderweg - Wir liegen an einem Rad-/wanderweg. Veranstaltungen - Wir führen besondere Veranstaltungen durch (z.B. Konzerte oder Ausstellungen). Gottesdienst - Bei uns findet regelmäßig Gottesdienst statt.

Beschreibung


Müllerdorf ist ein Ortsteil des Dorfes Zappendorf in der Gemeinde Salzatal, malerisch an einem Berghang gelegen, auf dem auch die Kirche steht. Schon der Name deutet auf die Entstehung des Ortes aufgrund einer Mühle hin.
Müllerdorf wurde 979 als "millerenthorp" erstmals urkundlich erwähnt und war lange Zeit der Grafschaft Mansfeld zugehörig. Der Ursprung des Ortes, eine Mühle, wurde 1456 als Wassermühle in Besitz von Andreas d.Ä. erwähnt, allerdings deutet der Ortsname auf eine lange Geschichte von Mühlen an jener Stelle hin - Reste des Bauwerkes sind auch heute noch sichtbar. Bei der Teilung der Grafschaft Mansfeld 1380 kam Müllerdorf zum preußischen Herzogtum Magdeburg. 1816 nach der Befreiung von Napoleon fiel Müllerdorf an das Mansfelder Seengebiet und wurde 1950 nach Zappendorf eingemeindet. Seit 2010 ist Müllerdorf samt Zappendorf Teil der Einheitsgemeinde Salzatal.

Die Ursprünge der evangelischen Kirche Müllerdorf liegen im Hochmittelalter, als ein erster Steinbau entstand, dessen Turm heute noch in weiten Teilen erhalten ist - es dürfte sich um einen kleinen Burchsteinbau mit angeschlossenem Querturm gehandelt haben, wie er heute noch vielfach im Saalkreis zu sehen ist. Nach einem Brand wurde bis 1898 das Simon Petrus geweihte Gotteshaus wieder neu erbaut, im neoromanischen Baaustil einen Bogen zum Vorgängerbau schlagend. Das heutige Bauwerk ist als zweischiffiger Saalbau mit Hauptschiff und Seitenschiff, welches von einer Seitenempore überspannt ist, ausgeführt. Das weite und schlichte Bauwerk ist eine typische protestantische Predigtkirche mit Ausrichtung auf das Wort Gottes.

Der schöne gotische Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert kam in den 70er Jahren nach Müllerdorf - er stammt aus der damals stark einsturzgefährdeten, heute eingefallenen Kirche in Gödewitz. Der Altarraum wird an den Seitenwänden geschmückt durch die Figurengruppen des eigentlichen gotischen Altars der Müllerdorfer Kirche.

Auch der Orgelprospekt ist der sonstigen neoromanisch gehaltenen Innenausstattung angepasst. Das für die Kirch fast etwas unterdimensionierte, jedoch sehr kräftig intonierte Orgelwerk schuf die Zörbiger Firma Wilhelm Rühlmann 1898 mit 10 Registern auf einem Manual und Pedal mit pneumatischen Laden als Op.207 - das Instrument wurde 2005 fachkundig saniert und ist in einem hervorragenden Zustand.

DIe romanischen Schallarkaden tragen die Klänge der beiden sehr charakteristischen Glocken nach draußen. DIe ältere Glocke, bis auf einige figürliche Darstellungen an Schulter und Flanke (u.a. Christus als Weltenrichter, Kruzifix und Darstellung des himmlischen Jerusalems) sowie einige eingegossene Münzen an der Schulter, ist komplett unbezeichnet und von der Form her sehr interessant - die flache Haube samt scharfem Übergang in eine steile Schulter weist eher auf die Renaissance hin, während der wenig ausladende Schlagring eher dagegen spricht, zudem sind die Zier und der Teiltonaufbau eher früherer Herkunft - eine Einordnung ist deswegen schwer, zumal vergleichbare Glocken enig bekannt sind.Eine Einordnung in das frühe 17. Jahrhundert erscheint aufgrund der Form der Glockenschulter und der Haube, welche z.B. beim Halleschen Gießer deutlich runder gehalten sind, passend. Zwei weitere historische Glocke sind im Laufe der Zeit verloren gegangen - 1683 goss Johann Koch aus Zerbst eine kleine Glocke, 1797 schuf Gottlieb Becker in Halle eine weitere, größere - beide sind verloren gegangen. Als Ersatz erhielt St.Petri zu Müllerdorf 1922 eine Eisenhartgussglocke der Firma Ulrich&Weule, Apolda-Bockenem, welche heute noch an ihrem typischen Weule-Joch hängt und durch einen erstaunlich reinen Klang überzeugt. Beide Instrumente sind mit Linearmotoren ausgestattet und läuten regelmäßig den Gottesdienst ein.
Klangbeispiele und Eindrücke:
https://www.youtube.com/watch?v=gOPS17FhABo

Dank an Johannes Richter!